Nicht schon wieder! oder: Na, was denn nun?

08.05 Uhr – da bin ich wieder im Warteraum des Krankenhauses mit Wartemarke. Heute ist meine Nummer die 12 und die Anzeigentafel zeigt 10. Ohh… 08.10 Uhr – Kaum hingesetzt schon zeigt die Tafel 11 an…

08.12 Uhr – Ich bin dran. Ich gehe in den angezeigten Raum und setze mich hin. Die Schwester unterhält sich mit einer Kollegin… Wen interessiert es schon, ob da eine Patientin sitzt und wartet? Dann wendet sie sich mir zu… Heute dauert es mal zwei Minuten länger, da ja ein neues Quartal ist. Sie sagt: “Schon fertig!” Ich: “Ja, wie immer!” Dann sagt sie, dass heute nur eine Ärztin da ist und es dauern kann (Ist das was Neues?) Ich frage, welche Ärztin und sie sagt: “Dr. Nissen” Die kenne ich nicht (sollte es hier tatsächlich noch Ärzte geben, die ich nicht kenne?) Und wie sage ich ihr jetzt, dass ich erst mal keine Tropfen in die Augen haben will/muss? Ich sage der Schwester, dass ich ja zu Dr. Rehak muss; also werde ich wohl warten müssen. Daraufhin erwidert sie, ja der Oberarzt ist auch da, aber für die Voruntersuchungen ist nur eine Ärztin da.

Also sitze ich wieder in der Ambulanz. Dort sind heute morgen nur die Hälfte der Plätze belegt – aber das muss ja hier nichts heißen. Und irgendwie sehe ich hier auch mehr als eine Ärztin rumrennen.

08.25 Uhr – SMS – schlechte Nachrichten von einer sehr guten Freundin (Wir waren eine ganze Zeit lang mal beste Freundinnen, haben uns dann aber auseinander gelebt); sie kann leider nicht zu meinem Geburtstag kommen. Echt schade! – hoffentlich ist das heute die einzige schlechte Nachricht!

08.37 Uhr – nur 7 Leute in der Ambulanz – ein sehr ungewohnter Anblick… aber es ist ja noch früh…

08.50 Uhr – Ich bin dran. Ob das Dr. Nissen ist? Ich kenne sie jedenfalls nicht und vorstellen tut sie sich auch nicht. Aber sie ist sehr sehr nett. Sie fragt, ob es Änderungen gibt. Ich antworte ihr, dass die Pupille kleiner geworden ist und auch reagiert; was mit der Sehkraft ist, weiß ich aber nicht, das werden wir sicher gleich testen. Und so ist es dann auch. Ich bekomme wieder so ein merkwürdiges Brillengestell auf und darf Buchstaben auf der Tafel erkennen. Hey, ich kann tatsächlich die erste Reihe lesen, die zweite dann allerdings nur halb. Danach setze ich meine Brille wieder auf und kann damit (auch mit dem rechten Auge) besser sehen, sehr merkwürdig…. und mit dem linken Auge kann ich sogar die dritte Reihe von unten erkennen. Jetzt leuchtet sie von unten mit der Taschenlampe  leicht in meine Augen und fragt: “Ist da was Kleines?” (??? Was soll denn diese Frage?) Danach macht sie mir Tropfen in die Augen, um den Augeninnendruck zu messen. Dazu sagt sie aber nichts. Sie schaut sich meine Augen durch ihr Gerät an und sagt “Mal bitte nach oben schauen, nach rechts oben, nach rechts unten, nach unten….” Auch dazu sagt sie nichts weiter. Als sie fertig ist, nimmt sie ein kleines kariertes Blatt mit einem Punkt in der Mitte und sagt, ich solle ihr doch bitte sagen, ob alle Linien gleich gerade sind. Äh, wie jetzt? Das ist doch ein kariertes Blatt; klar sind da alle Linien gleich gerade! Aber dann verstehe ich ihre Frage, denn als ich das linke Auge zu mache und nur noch mit dem rechten auf das Blatt sehe, sind die horizontalen Linien plötzlich gewellt. Der Gegentest mit nur dem linken Auge zeigt, alle Linien sind gleich gerade. Sie schreibt was auf und anschließend fragt sie: “Darf ich mal Ihre Brille haben?” Ich sage: “Klar!” und gebe sie ihr. Sie nimmt sie, schreibt was am PC, steht auf, sagt: “Ich komme gleich wieder” und verlässt das Zimmer – mit meiner Brille. Weiß sie, dass ich ohne die Brille blind wie ein Maulwurf bin??? Wo ist sie hin? Und warum hat sie meine Brille mitgenommen? Sie kommt wieder – mit meiner Brille *puh!* Ich setze sie wieder auf und es fühlt sich so anders an; also frage ich, ob mir die Augen weit getropft wurden. Die Frau sagt: “Nein, nur die Hornhaut wurde betäubt. Dr. Nissen soll erst noch die Pupillenreaktion testen. Dann erst wird weitgetropft”  Ah, sehr gut! Jetzt “darf” ich wieder zum Fotolabor…

09.10 Uhr – Fotolabor. Kaum hingesetzt; schon bin ich dran. Meine neue “Freundin” aus dem Fotolabor (warum weiß ich eigentlich noch immer nicht, wie sie heißt, wo ich doch ihr Dauergast bin?) fragt, wieso ich sie schon wieder beehre. Ich sage ihr, was die Ärzte letzte Woche gesagt haben und sage, sie soll mir bitte nicht böse sein, ich mag sie ja, aber jede Woche sehen, das muss ja nun nicht sein… Heute sehe ich doch tatsächlich den Punkt (wenn ich das andere Auge zumache) und sie ist schnell fertig. Irgendwas sage ich noch, hätte die Ärztin gesagt und sie antwortet: “Das ist keine Ärztin, das ist eine Orthoptistin.” Ah ja! Na klar! Äh: Was bitte? Was ist eine Orthowas? Ich frage nach und sie erklärt mir, das ist eine Optikerin, die eine Zusatzausbildung/einen Zusatzlehrgang hat, um die Geräte im Krankenhaus zu bedienen. Ah, eine Optikerin also! Dann ergibt es auch Sinn, dass sie meine Brille sehen wollte  und “entführt” hat. Im Fotolabor bin ich heute schnell fertig. Ich frage, ob heute kein Test mit den Sehnerven gemacht wird und bekomme als Antwort: “Dann habe ich ja keinen Grund, Sie wieder zu sehen”

09.23 Uhr – Ich werde ins Untersuchungszimmer gerufen – von einer Frau, die ich wieder nicht kenne – ob das Dr. Nissen ist? Als ich das Zimmer betrete, sehe ich, dass Dr. Rehak da ist. Oh, das geht ja heute schnell! So früh hatte ich noch gar nicht mit dem Oberarzt gerechnet. Er kontrolliert das Auge, sagt die Pupille ist schon deutlich besser geworden. Aber das könnte auch bis 6 Monate nach der OP dauern (Das sagt er mir jetzt?! Genau danach habe ich ihn doch in den letzten 4 Wochen bestimmt 3 Mal gefragt und letzte Woche meinte er doch noch, er wüsste auch nicht, warum die Pupille noch immer nicht kleiner ist. Na, was denn nun?) . Die Netzhautablösung ist aber deutlich schlechter geworden. Na toll! Er sagt: “Eine PVR-Reaktion wie aus dem Lehrbuch” (Na was denn nun? Letzte Woche war ich noch ein “Sonderfall” und diese Woche ein “Fall, wie aus dem Lehrbuch”?!) Na toll! Da kann ich mir ja denken, was jetzt kommt und richtig, ich werde um die nächste OP nicht herum kommen. ICH WILL NICHT!!!! Er sagt, ich hätte ja jetzt erst mal Geburtstag, den solle ich mal erst feiern (ja, VORHER bleibe ich ganz sicher nicht hier!!!) und dann plant er schon mal für nächste Woche die OP und für heute die Organisation. (Na, das stellt er sich ja einfach vor. Ich sage ihm, dass wir immer noch ein 2 1/2 jähriges Kind zu Hause haben (was ich meine, ist, sie ist nicht plötzlich 16 und kann alleine zur KiTa/Schule und wieder zurück gehen), das ist organisatorisch etwas schwierig) Da der Streik morgen beendet wird und auch die Professorin (Chefin der Augenklinik) morgen aus ihrem dreiwöchigem Urlaub zurück kommt, haben sie schon eine lange to do – Liste und für Dienstag und Mittwoch ist der OP-Plan schon voll. Er bietet mir, den Donnerstag an, dann könnte ich Samstag oder Sonntag nach Hause. Das geht ja mal gleich gar nicht, ich MUSS Samstag zu Hause sein!! Ich möchte unbedingt beim ersten KiTa-Fest der Kleinen dabei sein. Dr. Rehak sagt, er würde erst mal mit Frau J. telefonieren, ich soll so lange draußen Platz nehmen… Er tropft mir noch das rechte Auge weit und ich sitze wieder auf dem Flur und sehe kurz darauf, dass Dr. Rehak “stiften geht”… Zu früh gefreut, dass es heute vielleicht schnell gehen könnte. Es heißt also wieder: warten…

10.23 Uhr – Die Ärztin (Ist sie eigentlich schon Ärztin? Sie wirkt so verunsichert), die zusammen mit dem Oberarzt im Untersuchungsraum war, fragt, ob sie denn auch mal nachschauen darf, die Pupille wäre ja jetzt schon schön weit. Ich sage “Klar” und gehe wieder mit ihr in den Untersuchungsraum. Sie schaut nach und ich darf mich wieder auf den Flur setzen, damit der Oberarzt nachher noch mal gucken kann. Mit Frau J. hat er schon gesprochen. Als ich wieder raus will, kommt Dr. Rehak auch schon wieder. Ich frage ihn, ob man nicht auch erst übernächste Woche operieren können und er sagt Nein. Er möchte nicht, dass sich die Netzhaut so weit ablöst, dass sie “das Zentrum des scharfen Sehens” erreicht, das liegt jetzt alles “so schön” an. Er klärt mich über die Risiken der OP auf (Die Vielleicht-ist-sie-schon-Ärztin fragt ihn, ob sie das machen darf. Da ich schon zweimal über diese OP aufgeklärt wurde, habe ich nichts dagegen. Der Oberarzt sagt erst “Ja” und dann macht er es doch selber.) Neu ist ja jetzt die Katarakt-OP (Grauer Star; da wird die Linse gewechselt). Beide OPs werden ja jetzt zusammen gemacht, damit er zum einen besser an die Netzhaut ran kommt und ich zum anderen vom Grauen Star “befreit” werde. Er sagt, der Glaskörper kann dann raus (Ich frage nach, da er mir ja letztes Mal gesagt hat, der Glaskörper wäre schon draußen. Er sagt, ja das stimmt, aber ein kleiner Rest wäre noch hinter der Linse (auch wenn es GlasKÖRPER heißt, ist es kein fester Körper, sondern eine gelartige Substanz, die zwischen Linse und Netzhaut liegt), der könne dann auch raus) und dann wird noch eine Membran mit der Pinzette abgemacht, sagt er, dadurch kommt er viel besser an die Netzhaut ran und könnte sie so schön glattziehen und wieder anlegen. Bei der Linsen-OP kenne ich die Risiken ja noch nicht. Dr. Rehak sagt, da wären die Risiken bei mir minimiert, da ein Risiko ist, dass der Glaskörper was abbekommen könnte oder die Membran, beides hätte ich ja dann nicht mehr (sind sie sich sicher, dass ich das alles nicht brauche, um sehen zu können?) oder die Netzhaut könnte sich ablösen, aber das operieren sie ja ohnehin schon mit. Ein ganz geringes Risiko besteht, dass die feinen Fäden, die die Linse halten, verletzt werden könnten, dann muss man noch mal operieren und die Linse anders verankern. So, aufgeklärt bin ich dann ja. Jetzt muss ich nur noch unterschreiben. Die Frau, die wahrscheinlich noch keine Ärztin ist, sucht zwei Formulare und legt sie auf den Tisch. Der Oberarzt sagt, das eine wäre die Aufklärung über eine Plombe (davon habe ich schon gehört – das will ich nicht!) und die ist falsch für mich (Puh. Glück gehabt!) Ich frage nach und er sagt, da ich ja keinen Glaskörper mehr hätte, brauche ich das nicht und dann schmeißen sie es in meinem Beisein weg. Das richtige Formular findet sie nicht, der Oberarzt hilft ihr. Ich denke, sie ist garantiert (noch) keine Ärztin. Ich unterschreibe die Formulare und DANACH schreibt sie wieder was auf diesige. Das machen die jedes Mal… ist doch sehr merkwürdig. (Der Oberarzt geht aus dem Zimmer) Ich frage, ob ich eine Kopie davon haben kann. Sie sagt, wenn es nur zum Nachlesen für mich ist, gibt sie mir zwei frische Formulare. Ich hätte aber schon gern das, als Kopie, wo meine Unterschrift drauf ist (denn auf die Seite schreiben sie auch immer), das sage ich ihr auch. Sie sagt “Okay”, schreibt zu Ende und kopiert mir jeweils die Seite mit meiner Unterschrift, die sie mir dann zusammen mit zwei frischen Formularen gibt und fragt, ob das in Ordnung für mich sei. Ja, damit bin ich zufrieden! 10.43 Uhr – Der Oberarzt sagt im Vorbeigehen Frau Dr. Hager (das ist die “Linsenexpertin”, wie ich sie nenne) ist jetzt da, dann könne sie ja gleich gucken. Aber zunächst geht die Vielleicht-ist-sie-bald-Ärztin mit mir ins Nebenzimmer und soll an einem Gerät noch meine Augen ausmessen. Das Gerät streikt, es will nicht. Die Frau fragt eine Kollegin und diese meint, das Gerät braucht wohl noch eine Weile, bis es startklar ist. Inzwischen ist es 10.50 Uhr – die Ärztin (die wohl noch keine Ärztin ist), sagt, ich solle dann erst mal mit meiner Akte rüber zu Frau J. gehen. Wissen die hier eigentlich, was sie wollen? Eben hieß es doch noch, ich solle zu Frau Dr. Hager?! Das sage ich ihr auch, aber sie hört mir gar nicht richtig zu. Sie schickt mich zu Frau J. Also gehe ich einmal über den Flur, klopfe bei Frau J. an die Tür, höre: “Einen Moment bitte!”, setze mich vor die Tür und warte… Da kommt die Vielleicht-ist-sie-bald-Ärztin, schaut sich überall um und sieht mich dann doch noch (Und ich dachte immer, ICH wäre hier diejenige, die schlecht sehen kann). Sie sagt: “Da sind sie!” (Ja, genau, da, wo Sie mich hingeschickt haben), “Kommen Sie noch mal; die Oberärztin ist jetzt da” (Das habe ich ihr doch vorher auch schon gesagt! Aber gut, sie ist so schon nervös genug) Also gehe ich mit ihr wieder über den Flur und in den Untersuchungsraum. Frau Dr. Hager ist supernett und sagt: “Wir kennen uns ja schon!” Hm, schon möglich, dass sie mal auf Station war, aber so wirklich erinnern kann ich mich nicht. Sie untersucht mein Auge mit dem Gerät, stellt leider das Gleiche wie Dr. Rehak fest, meint, das wäre ja jetzt nichts akutes, aber als ich frage, ob wir dann nicht noch eine Woche mit der OP warten können, sagt auch sie “Nein”. Dann überlegt sie laut vor sich hin, auf was sie mich einstellen. Und das Beste, sie bezieht mich in ihre Überlegungen ein und erklärt mir auch alles ganz super. Vor der zweiten OP hatte mich ja so eine ganz arrogante (Assistenz?)Ärztin untersucht und festgestellt, falls die Linse bei der OP beschädigt werden sollte, würden sie mir eine künstliche mit –3 Dioptrien einsetzen. Frau Dr. Hager sagt, das geht nicht, wenn ich “normal” sehen möchte. Mehr als 3 Dioptrien UNTERSCHIED wäre überhaupt nicht sinnvoll. Da ich –8 Dioptrien (auf beiden Augen) habe, würde ich bei –3 (rechts und –8 links) zwei unterschiedlich große Bilder auf beiden Augen sehen. Bei zwei unterschiedlich scharfen Bildern könnte das Gehirn die übereinanderlegen und scharf stellen, aber bei unterschiedlich großen Bildern geht das nicht. Nachdem sie mich dann nach ein paar Gewohnheiten gefragt hat (mit der Begründung, dass man das bei Patienten immer mit beachten muss), z.B. wie ich lese (mit Kontaktlinsen), wie oft ich meine Brille trage (fast nie) usw. meint sie, sie würde sagen, sie stellt mich auf –5 rechts ein. Da wären wir auf der sicheren Seite und dann fragt sie doch tatsächlich, ob ich damit einverstanden bin. Na, die gefällt mir! Sie spricht MIT mir und fragt dann auch noch nach meiner Meinung. Toll! Auch Dr. Rehak erklärt mir das immer alles super – die Oberärzte hier sind super. Warum reden die “normalen” Ärzte hier in der Ambulanz nicht so mit einem? Dr. Rehak, der die ganze Zeit beim Gespräch mit Dr. Hager anwesend ist, sagt, auf mein Nachfragen hin, dass ich auf dem rechten Auge eine Sehkraft von zur Zeit 12% habe (da keiner genau weiß, wie gut oder schlecht ich normalerweise jetzt sehe, macht es das für Dr. Hager nicht einfacher, sich für eine Dioptrienzahl zu entscheiden) und mein Augendruck mit 11 und 13 in Ordnung ist. Er sagt, ich könne mir aussuchen, ob mir Montag oder Freitag für die OP lieber ist. Da entscheide ich mich doch für Montag, schließlich will ich am Wochenende zu Hause sein. Nachdem er mich dann für Montag auf die OP-Liste gesetzt hat, gehen die Oberärzte aus dem Zimmer und die Vielleicht-ist-sie-bald-Ärztin soll noch diesen Test mit mir machen, bei dem das Gerät vorhin nicht richtig funktioniert hat. Also gehen wir wieder ins Nebenzimmer. Sie sagt: “Jetzt haben sich beide Oberärzte um Sie gekümmert” und ich: “Ja, dabei bin ich noch nicht mal Privatpatient; das muss mir erst mal einer nach machen!” Das Gerät ist jetzt startklar, aber so richtig bekommt sie es dann doch nicht hin und befragt noch mal die Kollegin. Na, die ist vielleicht lustig! “Und jetzt schön geradeaus gucken! Ganz weit auf die Augen! Jetzt so bleiben! Gleich noch mal! Und jetzt noch mal weit auf! Und so bleiben!” Ich muss innerlich grinsen, hört sich vom Tonfall so an, als wäre ich auf dem Rummel. Sie sagt ihrer Kollegin, vielleicht sollte mir Tränenersatzflüssigkeit ins Auge tropfen. Aber die Idee hatte sie auch schon und hat sie sogar schon umgesetzt. Also versucht sie es noch mal alleine und als es nach einer Weile noch immer nicht klappt, holt sie wieder ihre Kollegin, welche wieder im schönsten Rummeljargon mit mir spricht. Dieses Mal kann ich es mir nicht verkneifen, sie zu fragen, ob sie sich sicher ist, dass sie hier richtig ist und nicht auf dem Rummel…  Irgendwann sind sie doch mit dem Ergebnis halbwegs zufrieden und ich darf zu Frau J. Also gehe ich wieder über den Flur und klopfe an ihre Tür…

11.45 Uhr – Dieses Mal sagt Frau J. gleich herein und ich betrete ihr Büro. Sie sagt: “Erzählen Sie mal!” Ich sag nur, dass ich nach zwei OPs jetzt noch mal die Netzhaut angelegt bekommen soll und dass es dieses Mal gleich mit der Linse zusammen operiert werden soll. Sie sagt: “Ja, ich habe schon von Ihnen gehört” Na, ich weiß ja nicht, ob das jetzt ein Kompliment ist. Erst bin ich ein “Sonderfall”, dann “ein Fall, wie aus dem Lehrbuch” und jetzt schon Krankenhausgespräch??? Sie sagt, da der Streik ja morgen erst beendet wird und sie eine Menge zu tun haben und rotieren, müssen “so besondere Fälle” wie ich noch irgendwo untergebracht werden. Ich sage ihr, dass ich ja nichts dagegen hätte, wenn die mit der OP noch eine Woche warten würden, aber auch sie sagt, die Ärzte sind dagegen. Dann meldet sie mich über den PC bei den Anästhesisten an und sieht in ihrem PC, dass ich für Montag auf dem OP-Plan stehe. Allerdings kann sie mir noch keine Uhrzeit sagen (der Oberarzt hatte aber zu mir gesagt, ich würde nicht gleich die erste sein und wahrscheinlich auch nicht am Vormittag operiert werden; so hätte ich noch Zeit mein Kind in die KiTa zu bringen.), versichert mir aber, dass ich auf jeden Fall Montag operiert werde. Sie schreibt mir ein Einlieferungsschein und fragt, ob ich außer den Oberärzten noch einen anderen Arzt habe. Ich sage ihr den Namen von meiner Augenärztin und sie meint, sie wollte einen aus dem Krankenhaus wissen. Also zähle ich ihr auf: Ich kenne Dr. Rehak, der mich bereits operiert hat und Dr. Hager, die mich, gemeinsam mit ihm, operieren wird, Dr. Klein, der mir das Auge gelasert hat, Dr. Eckert, die mich beim ersten Mal hier aufgenommen hat und natürlich die beiden Stationsärztinnen Dr. Nürnberg und Dr. Scholz. Oh weh, ich weiß ja nicht, ob das ein gutes Zeichen ist, dass ich inzwischen fast alle Ärzte hier mit Namen kenne…Frau J. bewundert mein Namensgedächtnis… dann geht sie los, um einen Arzt zu suchen… Als sie wieder kommt und mir den Einlieferungsschein gibt, antwortet sie auf mein Nachfragen hin, was die letztens am Empfang von mir wollten; die wollten so eine Art Bestätigung, dass ich auch wirklich bei meiner Krankenkasse gemeldet bin (Sie selber hatte schon den Fall, dass einer 6 (!!) verschiedene Krankenkassenkarten hatte). Sie schreibt aber auf das Formular ihren Namen und meint, sie sollen sie anrufen, wenn irgendwer meckern sollte! Na, die gefällt mir auch!!! Nur nette Leute heute hier… Als ich schließlich fertig bin, schickt sie mich zur Narkoseaufklärung ins Erdgeschoß. Dort angekommen, ist erst mal keiner… ich warte….

12.06 Uhr – Es ist doch noch jemand gekommen, hat mir einen Aufklärungsbogen in die Hand gedrückt und mich gebeten, mich ins Wartezimmer zu setzen… ich werde dann mit Namen aufgerufen… ich setze mich also mit dem Bogen ins Wartezimmer und fülle ihn aus. Was wiege ich denn jetzt? Keine Ahnung… ich lass das Feld frei… Nachdem ich den Bogen mehr als einmal durchgelesen habe, weiß ich schon, dass es hier wieder dauern kann, ich fange an zu spielen…. (inzwischen bin ich ja vorbereitet)

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12.40 Uhr – ich warte noch immer auf einen Anästhesisten. Die sind ja für das ganze Krankenhaus zuständig… das kann dauern…

Ich frage erst mal per SMS bei meiner Ma nach, ob sie vielleicht Dienstag auf die Kleine aufpassen könnte, da mein Mann keinen Resturlaub mehr hat und Schwiegermama mit ihrem kranken Hund genug zu tun hat…. sie simst zurück; wir telefonieren, wenn ich aus dem Krankenhaus und zu Hause bin, um alles abzusprechen….

13.24 Uhr – ich warte

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13.41 Uhr – Ich warte noch immer; inzwischen habe ich mich aber auf den Flur gesetzt, weil es im Wartezimmer einfach mal viel zu warm ist… Da tönt auf einmal “One in a million” irgendwo her… Hatte ich mein Handy nicht auf stumm gestellt? (Klingelton, wenn mein Mann anruft) Ja, habe ich! Ah, das war ein Radio aus einem der Untersuchungszimmer… Ich bin also doch (noch) nicht paranoid….

13.50 Uhr – die ersten sagen “Tschüß, schönen Feierabend”… ich aber warte weiter.

14.00 Uhr – ich bin mal frech (schließlich sitze ich jetzt hier unten schon zwei Stunden rum) und frage mal nach, wie lange es noch dauern könnte. Die Schwester, die mir vorhin das Formular in die Hand gedrückt hat, fragt nach meinem Namen und als ich ihn ihr sage, sagt sie, ich soll mich mal ans Ende des Flures setzen, ich werde gleich aufgerufen. Also mach ich das und kaum hat mein Hintern den Stuhl berührt, höre ich auch schon, wie ich aufgerufen werde. Auch der Anästhesist ist sehr nett und als er sieht, dass ich bei kg nichts eingetragen habe, fragt er, wie viel ich denn wiege. Ich sage ihm, wenn ich es wüsste, hätte ich es auch eingetragen. Er fragt, ob ich mich auf die Waage stellen würde. ich sage “Klar!” und kurz darauf sagt diese “66,0 kg” an. Also jetzt ist es offiziell, im März habe ich nämlich noch 70 kg gewogen, aber sooo viel habe ich ja dann doch nicht abgenommen. Er macht noch einen Vermerk in die Akte, dass ich zwar noch stille, aber das nicht mache, solange ich im Krankenhaus bin (er sagt, dann beruhigt das den Kollegen). Als er mit der Aufklärung fertig ist, denke ich, ich kann jetzt endlich nach Hause… Denkst`e Puppe! Er sagt, wenn ich die Akte von Frau J. habe, braucht sie diese auch wieder zurück. Also darf ich wieder in den 3.Stock…

14.25 Uhr – Ich sitze wieder bei Frau J. im Büro, sie sieht auf das Formular und fragt: “Wie alt war ihr Kind noch mal?!” Ich: “Zweieinhalb!” Sie: “Und sie stillen noch?! Das sehe ich doch hier richtig!?” (Aber darüber blogge ich ein anderes Mal, da dieser Post hier eh schon viel zu lang ist).

Sie entschuldigt sich und geht aus dem Raum, um mit einem Arzt Rücksprache zu halten.(Ich rufe die KiTa an, um zu sagen, dass ich später als sonst komme – der Kleinen geht es gut, sie spielt im Sandkasten) Frau J. kommt wieder und sagt (nachdem sie keinen Arzt gefunden hat), sie hat jetzt beschlossen, mich nach Hause zu entlassen und wenn ich ganz schlau wäre, würde ich gleich nach unten in die Aufnahme gehen, bis 15.00 Uhr müsste da noch jemand sein; dann müsste ich Montag  nicht so lange warten…. Ich sage ihr, dass ich heute aber noch kein Bestätigung der Krankenkasse habe… Sie sagt, wenn sie fragen sollten, dann soll ich sagen “Schönen Gruß von Frau J., bis Montag werden Sie garantiert nicht die Krankenkasse wechseln” Na, dann gehe ich doch gleich noch in die Aufnahme im Erdgeschoß…

14.30 Uhr – Ich bin unten in der Aufnahme, ziehe eine Nummer (254), die Tafel zeigt “253”, aber irgendwie ist hier unten nur noch ein Mitarbeiter und der sieht aus, als hätte er keine Lust mehr zu arbeiten. Richtig erkannt! Obwohl er mich gesehen hat (und mich anschaut, als würde ich ihn stören), macht er sich in aller Seelenruhe dran, aufzuräumen, die Wartemarken aus dem Automaten zu nehmen, die Formulare zu entfernen… Dann nimmt er seinen Rucksack, schaut mich von oben herab an und geht! Boah, noch so ein Kerl, der keine Lust hat, zu arbeiten. Ich finde diese Art geht gar nicht!!! In der Zeit hätte er schon längst mit mir fertig sein können…. Mag sein, dass er jetzt Feierabend hat, aber dann hätte er es mir doch höflich mitteilen können, oder nicht? Das ist wahrscheinlich zu viel verlangt. Mich einfach da sitzen zu lassen, ist so was von unter aller Sau!!! Wissen die eigentlich, dass sie als Aufnahme der erste Eindruck des Krankenhauses sind und so was wie die Visitenkarte? Wer soll sich denn so “Willkommen” und “gut aufgehoben” fühlen??? Wenn ich noch Kraft hätte, würde ich vielleicht noch mal zu Frau J. hochfahren, um mich zu beschweren… Aber ich bin jetzt von 08.00 Uhr bis 14.40 Uhr hier – ich will nur noch eins: nach Hause…

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3 Gedanken zu „Nicht schon wieder! oder: Na, was denn nun?

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